434 Kieze, 96 Stadtteile, 12 Bezirke: eine Stadt.

Erfahren Sie mehr über Berlins Bezirke. Die meisten Bezirke haben dabei mehr Einwohner als manch eine Großstadt im Bundesgebiet. Und genauso abwechslungsreich sind die Bezirke selbst.

Erfahren Sie mehr über die einzelnen Stadtteile, deren beliebstesten Ecken und manch interessantes Detail.

Die Serie über die Berliner Bezirke ist im ImmobilienJournal erschienen.

Friedrichshain-Kreuzberg

Friedrichshain und Kreuzberg. Wie passt das zusammen? Ein Westbezirk und ein Ost-Viertel in einer „Zwangsehe“. So haben es zumindest viele Berliner empfunden, die vor Maueröffnung und Bezirksreform entweder hüben oder drüben lebten. Den Zugezogenen aus aller Herren Länder, überproportional jung, experimentierfreudig und offen für alternative Lebensformen ist es berlinerisch gesprochen reichlich Wurscht, ob man diesseits oder jenseits der Spree die Hauptstadt lebt und erlebt.

Bei jungen Leuten und Studenten beliebt, für die vielfältige Partykultur am Abend bekannt, und das an sieben Tagen in der Woche, so sieht das Bild des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg von außen aus. Am Sonntag geht man in einer der zahlreichen Bars und Cafés des Simon-Dach-Kiezes Brunchen und erholt sich von dem durchfeierten Wochenende. Viele Touristen kommen extra wegen der guten Elektrohouse-Szene der Revaler Straße und des 2009 von der britischen Zeitschrift „DJ Mag“ als „besten Club der Welt“ deklarierten Berhains für ein Partywochenende in die Hauptstadt. Rund um die Falckensteinstraße auf der anderen Seite der Spree tummeln sich Clubs diverser Musikrichtungen und auch sie ziehen sowohl die Hauptstädter als auch die Touristen in ihren Bann.

Aber auch trotz des doch sehr aktiven Nachtlebens soll man in Friedrichshain-Kreuzberg sehr gut wohnen können und wer hier lebt, will auch nicht weg! 

Damals und heute

Aber nicht nur in der Gegenwart ist der Bezirk ein ganz besonderer Berlins. Er ist auch seit jeher ein sehr geschichtsträchtiger Ort, der sich ständig im Wandel befand und auch weiter befinden wird. Im Zweiten Weltkrieg wurden beide Ortsteile erheblich angegriffen. Die Frankfurter Allee in Friedrichshain wurde bei intensiven Kämpfen fast vollständig zerstört. Nach dem Krieg hieß die Straße Stalinallee und wurde erst im Zuge der Entstalinisierung im Jahre 1961 in Karl-Marx-Allee und Frankfurter Allee umbenannt. Doch die im Zuge des Wiederaufbaus errichteten „Stalinbauten“ im Zuckerbäckerstil sind bis heute erhalten und befinden sich unter Denkmalschutz. In den 2000er Jahren wurden sie aufwändig saniert. Später nutzen Hausbesetzer aus der linken Szene in der Wendezeit den hohen Leerstand der unsanierten Altbauten im östlichen Teil Friedrichshains, um hier alternative Wohnformen zu manifestieren. Das wohl bekannteste Beispiel der Friedrichshainer Hausbesetzungen ist wohl die  Mainzer Straße, dessen Häuserbestand den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstand. Das Haus Nummer 19 Ecke Scharnweberstraße ist heute als Baudenkmal eingestuft. Dessen Fassade erinnert an die Zeit der Neorenaissance und besitzt aufwändige Gesimse und Fensterverdachungen, sowie schmiedeeiserne Korbgitterbalkone. Die Räumung der Mainzer Straße am 14. November 1990 gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Immobilienwirtschaft des Bezirks mit seiner blutigen Straßenschlacht um 13 besetzte Häuser. Die Räumung mit ca. 3000 eingesetzten Beamten gilt als einer der massivsten Polizeieinsätze Berlins in der Nachkriegszeit. Heute ist die Mainzer Straße vollständig saniert und unterscheidet sich kaum von ihrer umgebenen Bebauung.

Kreuzberg gehört genauso wie Friedrichshain mit ein paar anderen Ortsteilen Berlins zu denen, die am dichtesten besiedelt sind. Dies ist der Gründerzeit geschuldet, in der das Prinzip der größtmöglichen Grundstücksausnutzung galt, sodass Bebauungen mit einem Vorderhaus, Seitenflügel und mehreren Hinterhöfen typisch waren und noch immer sind. Gerade in SO 36 ist dies heute prägend und macht die Lage zu dem, was sie ist, auch wenn im Zweiten Weltkrieg große Teile Kreuzbergs, vor allem aber das damalige Zeitungsviertel während eines US-Luftangriffes fast komplett zerstört wurden.

Kreuzberg ist für vieles überregional bekannt – leider sind es oft die negativen Schlagzeilen, die dem Bezirk noch immer anhängen. Neben den Hausbesetzungen der 1970er und 1980er Jahren geriet Kreuzberg regelmäßig durch teils schwere Straßenschlachten zum 1. Mai in die Schlagzeilen. Die Krawalle halten bis heute am 1. Mai an und sind mehr und mehr zu einem Ritual geworden, bei dem es schon lange nicht mehr um die ursprüngliche politische Motivation geht, sondern um Jugendliche, die teils aus dem ganzen Bundesgebiet und den europäischen Nachbarstaaten anreisen und die Gewalt gegen Eigentum und Polizisten suchen. Glücklicherweise ist es in den vergangenen Jahren den Kreuzbergern zunehmend gelungen, mit Veranstaltungen wie dem Myfest die Gewalt zurückzudrängen. 

Die Kreuzberger schert es herzlich wenig, was andere von ihrem Bezirk halten. Die Mischung in den Kiezen um die Bergmannstraße, am Kreuzberg oder zur Skalitzer Straße macht das raue Flair in Kreuzberg aus. Menschen unterschiedlichster Herkunft, arm neben reich, Professor oder Arbeitssuchender, sie alle wohnen hier Tür an Tür.

Mediaspree: "Ankerplatz Zukunft"

Getrennt wird der Bezirk durch die Spree und verbunden durch eine der wohl schönsten und als Fotomotiv beliebten Brücken Berlins, die Oberbaumbrücke. Entlang des Nordufers über O²-World bis zum Ostbahnhof erstreckt sich die East-Side-Gallery, dem Touristenmagneten, der zwar ein hübsches, aber verharmlosendes Bild der Berliner Mauer vermittelt.  

Das östliche Friedrichshainer Spreeufer,  Mediaspree genannt, ist eines der größten Investorenprojekte in Berlin. Hier wurde erfolgreich die Ansiedlung von Kommunikations- und Medienunternehmen realisiert. Auf größtenteils bislang ungenutzten Grundstücken und alten Lagerhallen sind Bürogebäude, Hotels und Lofts entstanden, wobei architektonisch reizvoll sanierte Hafenanlagen mit modernen Neubauten kombiniert sind. 

Entlang der Spree reihten sich nach der Wende viele Strandbars und Clubs. Die Bar 25 auf dem Gelände der BSR musste bereits weichen und auch einige andere Einrichtungen. Jedoch wird hier viel passieren und Arbeitsplätze werden geschaffen und somit bekommt Friedrichshain-Kreuzberg wieder Zuwachs. Die Initiatoren sehen in dem Projekt eine große Chance für den Osten Berlins. Das Projekt hat schon in der Planungszeit für viel Unruhe unter den Anwohnern gesorgt. Die Bürgerinitiative „Mediaspree versenken“ hat erfolgreich einen Bürgerentscheid ins Leben rufen können und die Wahlbeteiligung von 19,1% lag über den erforderlichen 15%. Auch wenn 87% der Wähler gegen das geplante Projekt stimmten, ist es nicht bindend und die Investoren bekamen stattdessen eine Planungssicherheit zugesagt. Bereits an der Spree angesiedelt haben sich die O2-World, diese stellt nach der Lanxess Arena in Köln  die zweitgrößte Multifunktionsarena Deutschlands, MTV, Universal Music, BASF, Energieforum Berlin und weitere. Aber auch die BSR wird noch folgen, es wird die neuen Spreespeicher geben und Modelabels werden sich ihren neuen Standort an der Spree suchen sowie ein geplanter Yachthafen. 

"Kreuzhain": ein junger Bezirk

Diese Umstrukturierung und das aktive Leben in Friedrichshain-Kreuzberg sind auch reflektierend dafür, dass der Bezirk im Jahr 2004 das jüngste Durchschnittsalter mit 36,9 Jahren aufweist. Die sehr gute Infrastruktur, ein abwechslungsreiches Angebot an Kultur, Unterhaltung und Gastronomie und nicht zuletzt die kreative Szene ziehen junge und junggebliebene Berliner in ihren Bann. Die Beliebtheit spiegelt sich natürlich auch in den Mietpreisen wider. So entwickelten sich die Preise

von 2009 zu 2010 zwischen 10% und 20% nach oben auf einen Durchschnitt von knapp 8 Euro pro Quadratmeter netto kalt. Besonders beliebt sind die 1-2 Zimmerwohnungen, in Friedrichshain-Kreuzberg geht man zu keiner Wohnungsbesichtigung und sagt man nimmt die Wohnung. Nein, man muss sich mit ungefähr 30 Mitbewerbern um die Wohnung bewerben und mit ein wenig Glück bekommt man sie dann. Erschwert wird die Mietwohnungssuche in diesem Segment durch die Wandlung vieler Häuser gerade in den beliebten Kiezen, in Eigentumswohnungen, wodurch die Nachfrage das Angebot weit überragt und die Mietpreise nur immer weiter steigen. Wer also auf der sicheren Seite in diesem Bezirk sein möchte, sollte mittelfristig Eigentum erwerben. Auch die Kaufpreise entwickelten sich von 2009 zu 2010 um 10-20% auf durchschnittlich 2250 Euro/m². Neubauten für Eigentumseinheiten sind in beiden Ortsteilen aufgrund der schon starken Flächenausnutzung eher selten. Gerade einmal 260 Wohneinheiten im Erstbezug (davon 2/3 in sanierten Altbauten) sind in 2011/12 im Angebot. Die Kaufpreise liegen mit durchschnittlich 3.150 Euro je Quadratmeter schon über dem Niveau von Prenzlauer Berg. 

Auch für wen die ganze aufregende und sehr belebte Szene nicht das Richtige ist, man aber dennoch Kreuzhainer sein möchte, wird in diesem vielfältigen Bezirk fündig. Neben eher ruhigen und unspektakulären Ecken bietet der östlichste Zipfel des Bezirks etwas Einmaliges in Berlin: die ruhige, grüne und wasserreiche Halbinsel Stralau. Hier leben viele junge Familien aber auch Best-Ager in einer idyllischen Lage am Wasser und doch nur einen Katzensprung vom Großstadtleben entfernt. Hier muss man zwar auch etwas tiefer in die Tasche greifen, aber es lohnt sich. Die Nettokaltmiete liegt auf Stralau bei ca. 10-12 Euro pro Quadratmeter und der durchschnittliche Kaufpreis liegt bei ca. 2.750 Euro/m². 

Am 23. September 2008 erhielt Friedrichshain-Kreuzberg von der Bundesregierung den Titel „Ort der Vielfalt“ verliehen. Diesem macht er alle Ehre und sollte für jeden Geschmack das richtige Heim bieten. 

Friedrichshain-Kreuzberg im Vergleich

Übersicht

Friedrichshain-Kreuzberg

Berlin

Abweichung

Fläche*

20,2 km²

891,8 km²

2,3%

Einwohner*

259.502

3.371.212

7,7%

Einwohnerdichte

12.846/km²

3.780/km²

+239,9%

Einkommen²

775€/mtl.

885 €/mtl.

-12,4%

Arbeitslosenquote

13,5%

13,6%

-0,7%

Migrantenanteil³

35,7%

25,5%

+40,0%

Ausländeranteil

19,2%

13,5%

+42,2%

Kriminalität⁴

17.312

14.494

+19,4%

Quelle: Statistisches Landesamt Berlin, Daten per 30.06.2010

  • * statt Abweichung Anteil; 
  • ² verfügbares Pro-Kopf-Einkommen
  • ³ dt. Einwohner mit Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche
  • ⁴Straftaten je 100.000 Einwohner (2009)

Interessantes und Wissenswertes

  • 1962 eröffnete an der Karl-Marx-Allee das Kino Kosmos, das damals größte und modernste Kino der DDR; 1996 wurde es zum 1. Multiplexkino Berlins erweitert, 2005 erneut umgebaut und ist nun ein Veranstaltungszentrum.
  • Jedes Jahr findet  in Kreuzberg der Karneval der Kulturen statt. Der große Festumzug des Wochenendes startet am Hermannplatz.
  • Im Görlitzer Park kann man  im Sommer einfach nur die Sonne genießen oder ganzjährig Schwarzlichtminigolf spielen! Ein absolutes Highlight für Minigolffans.
  • Seit 1978 die Gebrüder Blattschuss um Beppo Pohlmann, Jürgen von der Lippe und Hans Werner Olm die „Kreuzberger Nächte (sind lang…)“ veröffentlichten, hat der Stadtteil sein Image als Party-Hauptstadt.
  • Der Burgermeister bietet den besten Burger der Stadt und das direkt in einem ehemaligen Klohäuschen unter der Hochbahn. (U2-Schlesiches Tor).