434 Kieze, 96 Stadtteile, 12 Bezirke: eine Stadt.

Erfahren Sie mehr über Berlins Bezirke. Die meisten Bezirke haben dabei mehr Einwohner als manch eine Großstadt im Bundesgebiet. Und genauso abwechslungsreich sind die Bezirke selbst.

Erfahren Sie mehr über die einzelnen Stadtteile, deren beliebstesten Ecken und manch interessantes Detail.

Die Serie über die Berliner Bezirke ist im ImmobilienJournal erschienen.

Lichtenberg

Sind wir doch mal ganz ehrlich, wer denkt schon zuerst an die schönen Ecken in Lichtenberg, wenn von dem Großbezirk die Rede ist? Die meisten assoziieren mit Lichtenberg die südlich des Bahnhofs verlaufende Weitlingstraße und ihren nicht sonderlich positiven Ruf. Doch auch das Altbauviertel aus der Gründerzeit hat sich geändert und gilt inzwischen als beliebter Wohnkiez. Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass Lichtenberg mit seinen zehn Ortsteilen ein vielfältiges Wohnspektrum zu bieten hat. Im Norden angefangen mit dem kleinen Ortsteil Wartenberg, der einen Teil seiner ländlichen Idylle bewahrt hat und überwiegend von Ein- und kleinen Mehrfamilienhäusern geprägt ist. Im Südwesten des Ortsteils entstanden viele Doppel- und Reihenhäuser sowie Eigentumswohnungen. Wem also das Stadtleben an sich zu hektisch ist, kann sich an den Stadtrand zurückziehen und ist auf Grund der guten Infrastruktur trotzdem schnell wieder im Zentrum.

Aber auch das ehemalige Straßendorf Malchow hat sich mit seinen knapp 500 Einwohnern den ländlichen Charakter bewahrt und besticht durch sein grünes Umfeld mit Kleingartenkolonien und der Nähe zum Naherholungsgebiet rund um den Malchower See. 

Nicht nur Malchow kann mit einem wundervollen Naherholungsgebiet dienen, auch Falkenberg hat um den ökologisch sanierten Gehrensee eine hochwertige Erholungslandschaft zu bieten. Der Ortsteil liegt ebenso im Norden des Bezirks und auch hier erinnern Landarbeiterhäuser aus dem 19. Jahrhundert an die ländlich geprägte Vergangenheit. 

Aus einzelnen Teilgebieten Malchows, Wartenbergs und Falkenbergs entstand ein Neubaugebiet und somit im Jahre 2002 der Ortsteil Neu-Hohenschönhausen. Zwischen 1984 und 1989 wurden die typischen 6- oder 11-geschossigen Wohnhäuser in Fertigbauweise erstellt. Der Ausspruch, dass jemand in der Platte wohnt, war zu DDR-Zeiten übrigens eher wohlmeinend, denn geringschätzig gemeint, verfügten doch die Neubauten über Zentralheizung und innen liegende Bäder, was auch kurz vor der Wende beileibe keine Selbstverständlichkeit war. Der Großteil der „Platten“ sind zwischenzeitlich auch energetisch saniert und z.T. auch architektonisch auf Vordermann gebracht, sodass sich die Wohnungen heute wieder einer großen Anhängerschaft erfreuen. 

Im Gegensatz zum Neubaugebiet steht der geschichtsträchtige Ortsteil Alt-Hohenschön-hausen. Hier ist eine bunte Mischung aus Einfamilienhaussiedlungen und Mehrfamilienhäusern aus den 20er und 30er Jahren zu finden, kleine moderne Stadtvillen mit üblicherweise sechs Wohneinheiten lockern die Struktur auf. Alt-Hohenschönhausen hat eine sehr gute Anbindung an den ÖPVN - mit der Straßenbahn erreicht man das Berliner Stadtzentrum in ca. 10-15 Minuten. Sportfans können von Ende September bis März fast täglich im so genannten Wellblechpalast Schlittschuhlaufen. Er befindet sich auf dem Gelände des Sportforums Hohenschönhausen, wo einst auch die amtierenden Deutschen Eishockeymeister, die Eisbären Berlin, beheimatet waren. Eine Teilfläche von knapp sechs Hektar des Geländes steht noch für Investoren bereit. Direkt gegenüber dem Forum, auf der anderen Seite der Konrad-Wolf-Straße, kann man sich mit einem leckeren Kaffee in der Coffee Station wieder aufwärmen, oder an einem sonnigen Herbsttag ein kleines Frühstück genießen. Die Kombination aus Gewerbe und Wohnen gleich nebenan, ist für diesen Ortsteil typisch.

Die Wiege der "Platte"

Südwestlich grenzt der kleine Ortsteil Fennpfuhl an Alt-Hohenschönhausen an. Er entstand in den 1970er und 80er Jahren und stellte die erste zusammenhängende Plattenbausiedlung Ost-Berlins.

Der namensgebende Ortsteil Lichtenberg steht noch immer im Schatten des zweifelhaften Rufs  des Weitlingkiezes. Mit fortschreitender Sanierung der hier häufigen Gründerzeitbauten gewinnt der Stadtteil wieder an Attraktivität und sorgt durch den Zuzug bildungsnaher Bevörlkerungsschichten für eine bessere soziale Durchmischung. 

Dennoch dominieren Mehrfamilienhäuser der 1920er Jahre und Plattenbauten Lichtenberg. Eine Besonderheit ist an der Schulze-Boysen-Straße zu finden: das größte Niedrigenergiehaus Deutschlands. Die Stadtplaner sind an einer weiteren Wohnumfeldverbesserung interessiert. So soll das Areal zwischen Frankfurter Alle, Möllendorff-, Gudrun- und Gotlindestraße als Sanierungsgebiet ausgewiesen und damit aufgewertet und attraktiver werden. 

Südöstlich vom Ortsteil Lichtenberg liegt Friedrichsfelde. Auch hier überwiegen vielgeschossige Mietwohnbauten jüngerer Baujahre. Für sie wurden in den 1960er bis 1990er Jahren neue Flächen erschlossen und komplett neue Straßennetze angelegt. Aber auch einige historische Wohngebäude aus dem 19. Jahrhundert sind dem Ortsteil erhalten geblieben und stehen mittlerweile allesamt unter Denkmalschutz. Diese bauhistorischen Kleinode findet man jedoch eher im alten Dorfkern Alt-Friedrichsfelde. Ein historisch sehr wertvolles Gebäude liegt inmitten des heute größten Landschaftstiergarten Europas, dem Tierpark Berlin. Die Rede ist vom Schloss Friedrichsfelde, das 1695 als Schloss Rosenfelde vom kurbrandenburgischen Generalmarinedirektor Benjamin Raule im Landhausstil erbaut und erst später durch den preußischen König in Schloss Friedrichsfelde umbenannt wurde. 

Trabrennbahn und mehr

Aber Lichtenberg hat noch ganz andere Seiten, die sogar manch Berliner nicht als Ortsteil Lichtenbergs wahrnimmt: Rummelsburg, direkt an der Spree und Karlshorst, das gern auch als „Dahlem des Ostens“ bezeichnet wurde. Rummelsburg als solches weist kein wirkliches Ortszentrum auf. Im Nordwesten liegt die Victoriastadt, welche hauptsächlich aus sanierten, knapp hundertjährigen Altbauten besteht. An den Ufern der Rummelsburger Bucht entstand Anfang der 2000er Jahre die Wasserstadt Rummelsburg auf ehemaligen VEB-Produktionsstandorten. Diese bietet ein architektonisch anspruchsvolles Wohnumfeld am Wasser mit reichlich Grün und liegt doch ausgesprochen zentrumsnah. Das städtebauliche Gesamtprojekt Rummelsburger Bucht soll langfristig ca. 4.300 Wohnungen in Wassernähe bieten und schließt auch die Friedrichshainer Seite der Bucht mit ein. Bereits realisiert sind bis dato ca. 2.000 Wohneinheiten. Momentan befinden sich verschiedene Gebäude im Bau, unter anderem auch das Projekt „Spreegold“, hier ist es sogar möglich einen Teil von bis zu 60% der Erwerbskosten abzuschreiben.

Ganz im Süden des Verwaltungsbezirks Lichtenberg  liegt der Ortsteil Karlshorst. Als Villenkolonie mit der Trabrennbahn gegründet, zählt er heute zu den attraktivsten Wohngegenden Lichtenbergs und auch aller östlichen Bezirke. Am Bahnhof Karlshorst entsteht das neue Ortsteilzentrum. Das alte Kulturhaus wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt und soll den Anwohnern dann  Shoppingmöglichkeiten und Gastronomie bieten. Östlich der Treskowallee befinden sich viele Ein- und Mehrfamilienhäuser, die um 1900 erbaut wurden. Karlshorsts Einwohnerzahl wird von derzeit ca. 21.000 Bewohner weiter steigen, denn im Ortsteil wird immer mehr Wohnraum geschaffen. Zahlreiche Neubau- und Sanierungsprojekte rund um die Treskowallee sind bereits geplant und einige auch schon im Bau. Ein Beispiel ist die Gundelfinger Straße, in der 2012 in gewachsener Umgebung eine überschaubare Wohneigentumsanlage mit nur 11 Einheiten gebaut wird. 

Günstige Immobilienpreise - mit steigender Tendenz

Wie die einzelnen Ortsteile, unterscheiden sich auch die Mietpreise und ihre Entwicklung. So lässt sich für das nördliche Lichtenberg eine inhomogene Mietpreisentwicklung feststellen. Erwähnenswert dabei ist, dass sie im Zeitraum 2009 – 2010 durchweg positiv ist und zwischen 2,6 und 20% liegt, sodass dort Nettokaltmieten von 4,10€ – 6,50€ vorherrschen. Auch in Rummelsburg lässt sich eine positive Entwicklung feststellen, wobei die Mieten hier zwischen 5,60€ und 6,50€ liegen. Karlshorst verweist eine deutlich höhere Mietpreisentwicklung von 10-20% und ein Mietpreisniveau von 6,60€ bis zu 8,00€ Nettokaltmiete.

Wer zukünftig seine  vier Wände auch sein Eigentum nennen möchte, muss mit den selben Tendenzen rechnen. Die Kaufpreise pro Quadratmeter liegen im nördlichen Lichtenberg um 1.500€. In Karlshorst muss ein wenig tiefer in die Tasche gegriffen und zwischen 1.500 und 2.500€ (Neubauten noch darüber) gezahlt werden.

Der Bezirk Lichtenberg ist also weit mehr als Bahnhof und Satellitenstädte und sollte für jeden die richtige Wohnung oder das passende Haus bereithalten.

Lichtenberg im Vergleich

Übersicht

Lichtenberg

Berlin

Abweichung

Fläche*

52,3 km²

891,8 km²

5,9%

Einwohner*

252.340

3.371.212

7,5%

Einwohnerdichte

4.825/km²

3.780/km²

+27,6%

Einkommen²

900€/mtl.

885 €/mtl.

+1,7%

Arbeitslosenquote

14,0%

13,6%

+2,9%

Migrantenanteil³

13,9%

25,5%

-45,5%

Ausländeranteil

6,9%

13,5%

-48,9%

Kriminalität⁴

11.288

14.494

-22,1%

Quelle: Statistisches Landesamt Berlin, Daten per 30.06.2010

  • * statt Abweichung Anteil; 
  • ² verfügbares Pro-Kopf-Einkommen
  • ³ dt. Einwohner mit Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche
  • ⁴ Straftaten je 100.000 Einwohner (2009)

Interessantes und Wissenswertes

  • wikipedia führt als „Tochter des Ortsteils“ Djamile(a) Rowe, jenes selbsternannte Model, das 2002 dem seinerzeitigen Schweizer Botschafter Borer-Fielding meineidig eine Affäre anhängte 
  • An der Normannenstraße stand bis 1989 die Untersuchungshaftanstalt der Stasi, heute Gedenkstätte.
  • Der Tierpark Berlin im Ortsteil Friedrichsfelde ist mit 160 Hektar der größte Landschaftstierpark Europas
  • Mit 180 Mio. Euro ist der Betriebsbahnhof Rummelsburg zum ICE-Wartungsstandort ausgebaut worden