434 Kieze, 96 Stadtteile, 12 Bezirke: eine Stadt.

Erfahren Sie mehr über Berlins Bezirke. Die meisten Bezirke haben dabei mehr Einwohner als manch eine Großstadt im Bundesgebiet. Und genauso abwechslungsreich sind die Bezirke selbst.

Erfahren Sie mehr über die einzelnen Stadtteile, deren beliebstesten Ecken und manch interessantes Detail.

Die Serie über die Berliner Bezirke ist im ImmobilienJournal erschienen.

Mitte

Der Name Berlin-Mitte ist so treffend wie ungenau zugleich. Bezeichnet er doch den Ortsteil wie den Bezirk gleichermaßen und wird als Synonym für die Stadtmitte und das Zentrum der Hauptstadt benutzt.  Nur knapp ein Viertel hat in Mitte seinen Wohnsitz. Die Mehrheit lebt in den zum Bezirk Mitte gehörenden Stadtteilen Wedding, Gesundbrunnen, Hansaviertel, Moabit und Tiergarten. Mit Ausnahme von Tiergarten und Mitte selbst, stehen die übrigen Ortsteile in dem Ruf von Arbeitervierteln, weswegen manche Bewohner in Mitte ihre Herkunft mit „Mitte (Mitte)“  unterstreichen.

Auswärtige Gäste und Berlin-Besucher zieht es nach Mitte, um den historischen Glanz der Hauptstadt zu erleben und das Wechselspiel aus Altem und Neuem zu entdecken. Berlins gute Stube liegt zwischen Spree und Unter den Linden – und die meisten Berliner kennen weniger als mancher Tourist, der sich in knapp zwei Stunden an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten vorbei chauffieren lässt. Brandenburger Tor, Reichstag, Museumsinsel, Gendarmenmarkt oder Siegessäule und Fernsehturm fehlen bei keiner Stadtrundfahrt. Aber wüssten Sie, wo Sie im Nikolaiviertel die Reste der Berliner Stadtmauer finden? Gemeint sind natürlich nicht die Überbleibsel der 1989 endlich gefallenen Abgrenzung der DDR zum Rest der Welt, die übrigens an der Zimmerstraße zu besichtigen sind, sondern die der Einfriedung der Städte Berlin und Cölln aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Sie stehen z.B. an der Littenstraße inmitten des heutigen Nikolaiviertels. Wer heute auf den Spuren der Ur-Berliner wandelt, wird feststellen, dass seinerzeit beide Städte zwischen Alex und Gendarmenmarkt Platz hatten. Alles andere lag sprichwörtlich vor den Toren der Stadt.

Wie in anderen Hauptstädten auch, konzentrieren sich Regierungssitz, Botschaften und Landesvertretungen, Lobbyisten, Kunst und Kultur auf die zentralen Lagen. Diverse Firmensitze sind an prominenten Adressen genauso zu finden wie auch Hotels, Shopping und Gastronomie. 

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als würden alle Gebäude zwischen Invalidenstraße, als nördliche Grenze zu Gesundbrunnen und Wedding, und das Engelbecken im Süden zu Kreuzberg, nur Läden, Kanzleien und Büros beherbergen, so wohnen im Stadtteil Mitte doch gut 80.000 Berliner, zumeist in klassischen Mietwohnhäusern in Lagen zu den benachbarten Ortsteilen und Bezirken. Auch ganz zentral, beispielsweise an der Leipziger Straße entstanden Prestigewohnbauten in DDR-Zeiten, die heute wegen der innerstädtischen Lage gut nachgefragt sind.

Mitte - mehr als Zentrum der Hauptstadt

Dass Mitte-Mitte auf dem Immobilienmarkt, gerade für Eigentumswohnungen zieht, zeigen die vielen Baukräne im Stadtbild. An der innerbezirklichen Grenze zum Wedding entstanden und entstehen zahlreiche Wohnungsbauprojekte, wie auch im südlichsten Mitte-Kiez, der Luisenstadt. An der Alten Jakobstraße beispielsweise werden hochwertige Eigentumswohnungen vom Ein-Zimmer-Apartment bis zum 200-Quadratmeter-Penthouse derzeit durch die BVBI verkauft. Nach der Errichtung des Projektes Alter Jakob I und dem Bau von Alter Jakob II wird nun mit Alter Jakob III die letzte Baulücke auf dem ehemaligen Grenzstreifen geschlossen. 

Wegen seiner sehr zentralen Lage wird der Potsdamer Platz in Mitte vermutet, doch liegt er tatsächlich bereits in Tiergarten. Der Potsdamer Platz ist eine Besonderheit der Deutschen Teilung und gilt als städtebaulicher Glücksfall. In den 1920er Jahren war er der verkehrsreichste Platz Europas, nach dem Krieg lag der „PoPl“ Jahrzehnte unter Stacheldraht und Todesstreifen verborgen. Heute glänzt der Potsdamer mit faszinierender, moderner Architektur, wie dem Sony-Center oder den Potsdamer-Platz-Arkaden.

Mit dem Großen Tiergarten, Zoo und Siegessäule, zahlreichen Botschaften und natürlich Kanzleramt, Reichstag und Regierungsbauten lässt der Ortsteil nur wenig Raum zum Wohnen. Nur 2332 Berliner sind hier zuhause – viele davon in sehr exquisiten Apartments im Beisheim-Center oder Sony-Center am Potsdamer Platz.

Der kleinste Stadtteil von Mitte ist das Hansa-Viertel auf gerade einmal einem halben Quadratkilometer Fläche. Mit der Universität der Künste, zwischen TU Berlin und Haus der Kulturen der Welt, scheint es logisch, dass hier viele Schauspieler, Künstler und Architekten wohnten und wohnen. Das Hansaviertel südlich der S-Bahn-Trasse, wird in seiner heutigen Form geprägt von in die Ausläufer des Tiergartens eingebetteten Hochhäusern, die zur Internationalen Bauausstellung 1957 erbaut wurden.

Wedding - die andere Mitte

Die meisten Bewohner im Bezirk Mitte sind aber in den Ortsteilen Moabit, Gesundbrunnen und Wedding zuhause. Zwei Drittel leben in den klassischen Berliner Miethäusern in gewachsener Mischung aus Gewerbe, Industrie und Wohnen.  Der Großteil der Wohnungen entspricht einfachen Ausstattungsstandards und bietet in innerstädtischen Lagen mit durchschnittlich 4 Euro 50 bis 6 Euro pro Quadratmeter günstigen Wohnraum. In der Folge konzentrieren sich in manchen Kiezen Bewohner mit schwächerem sozialen Hintergrund. Kaum sonst in Berlin sind die einzelnen Mikrolagen so stark differenziert. Häufig wechselt die vorherrschende Sprache von Straße zu Straße. Den negativ belasteten Ruf des Arbeiter- und zuletzt Migrantenviertels werden Wedding, Moabit und Gesundbrunnen so schnell nicht los.

Dennoch sind traditionell in allen drei Ortsteilen bestimmte Lagen schon immer beliebter – und somit teurer. Hierzu zählen Wohnlagen an den zahlreichen Parks und natürlich die Straßenzüge an der Spree in Moabit. Eine Aufwertung erfahren in den letzten Jahren die südlichen Lagen, die an den Stadtbezirk Mitte angrenzen, ohne dass sich die Kieze geändert hätten. Im Stadtbild ist die bezirkliche Unterteilung oft gar nicht mehr wahrzunehmen, lediglich die grünen Ortteilschilder verraten, ob man sich nun auf der Weddinger oder zu Mitte gehörenden Seite der Brunnen- oder Ackerstraße befindet. Das Preisniveau der Mieten gleicht sich hier an, mit fallender Tendenz auf der Mitte-Seite und steigender Tendenz im nördlichen Abschnitt. 

Wedding hat aber auch eine ganz andere, unvermutete Seite: nördlich der Seestraße mit dem Virchow-Klinikum bis hin zum Kurt-Schumacher-Platz in Reinickendorf liegt das Afrikanische Viertel. Großzügig begrünte Straßenzüge und Innenhöfe und sogar Einfamilienhäuser am Goethepark zeigen eine nicht ganz so bekannte Facette von Wedding. Das Afrikanische Viertel macht seinem Namen durchaus alle Ehre, nirgends in Berlin ist die afrikanische Gemeinde so zahlreich vertreten wie hier.

Mitte's Immobilienmarkt: von günstig bis exqusit

Da der Bezirk Mitte so unterschiedlich ist, verwundert es auch wenig, dass der Immobilienmarkt sich different entwickelt. In Mittes zentralen Lagen und Tiergarten sind Mieten über zehn Euro je Quadratmeter eher die Regel, als die Ausnahme. In Neubauten werden im Schnitt 15 Euro verlangt und bezahlt. Die Preissteigerung ist aufgrund des hohen Niveaus mit rd. 4,5% in 2011 fast noch als moderat zu bezeichnen. Ähnlich verhält es sich bei Eigentumswohneinheiten, die durchschnittlich für 3.250 Euro auf den Quadratmeter den Besitzer wechseln. Neubauten werden fast nur an den Rändern zu Wedding, Prenzlauer Berg und Kreuzberg entwickelt und mit aktuell 4.100 Euro im Durchschnitt verkauft. 

Für diese Preise bekommt man in den nördlichen Stadtteilen gut doppelt so viel Wohnung. Eigentumseinheiten in Gesundbrunnen, Wedding oder auch Moabit liegen im gebrauchten Zustand zumeist unter 1.000 Euro pro Quadratmeter, gut erhaltene Gründerzeit-Altbauten haben schon eine höhere Nachfrage und kosten um 1.500 Euro. Am preiswertesten sind Wohnungen in Wiederaufbau-Häusern der 1960/70er Jahre, die schon um 700 Euro zu haben sind. Die Preistendenz ist wie schon erwähnt, von Kiez zu Kiez völlig unterschiedlich. Nachgefragte Lagen zogen über 20% an, aber auch Rückgänge in gleicher Größenordnung sind zu verzeichnen. 

Mitte ist und bleibt eine der beliebtesten Wohnlagen der Hauptstadt, ob günstig und innerstädtisch in den nördlichen Ortsteilen, oder eben doch Mitte-Mitte – zu entsprechenden Preisen.

Mitte im Vergleich

Übersicht

Mitte

Berlin

Abweichung

Fläche*

39,5 km²

891,8 km²

4,4%

Einwohner*

335.753

3.371.212

10,0%

Einwohnerdichte

8.507/km²

3.780/km²

+129,1%

Einkommen²

775 €/mtl.

885 €/mtl.

-12,4%

Arbeitslosenquote

15,3%

13,6%

+12,5%

Migrantenanteil³

44,5%

25,5%

+74,5%

Ausländeranteil

28,7%

13,5%

+113,2%

Kriminalität⁴

22.911

14.494

+58,1%

Quelle: Statistisches Landesamt Berlin, Daten per 30.06.2010

  • * statt Abweichung Anteil; 
  • ² verfügbares Pro-Kopf-Einkommen
  • ³ dt. Einwohner mit Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche
  • ⁴ Straftaten je 100.000 Einwohner (2009)

Interessantes und Wissenswertes

 

  • Der Volkspark Rehberge sollte zur Kaiserzeit ein von Hagenbeck gestalteter Tierpark werden, der die Tierwelt der damaligen afrikanischen Kolonien zeigt. Der erste Weltkrieg verhinderte den Plan, aber die nach afrikanischen Ländern und Städten benannten Straßen gibt es noch heute im afrikanischen Viertel
  • Das historische Berlin gibt es z.B. in der Littenstraße (Nikolaiviertel) zu entdecken. Hier stehen Überreste der historischen Stadtmauer.  
  • Jan Vetter, alias Farin Urlaub und Urgestein der „Ärzte“, wuchs bis zum 7. Lebensjahr in Moabit auf.
  • Der Verein „Berliner Unterwelten“ bietet am U-Bhf. Humboldthain Führungen in die Berliner Vergangenheit an. Alte Bunker und U-Bahn-Schächte zeigen Berlins Geschichte beklemmend eindrucksvoll!

 

§Das historische Berlin gibt es z.B. in der Littenstraße (Nikolaiviertel) zu entdecken. Hier stehen Überreste der historischen Stadtmauer.  

§Jan Vetter, alias Farin Urlaub und Urgestein der „Ärzte“, wuchs bis zum 7. Lebensjahr in Moabit auf.

§Der Verein „Berliner Unterwelten“ bietet am U-Bhf. Humboldthain Führungen in die Berliner Vergangenheit an. Alte Bunker und U-Bahn-Schächte zeigen Berlins Geschichte beklemmend eindrucksvoll!

Der Volkspark Rehberge sollte zur Kaiserzeit ein von Hagenbeck gestalteter Tierpark werden, der die Tierwelt der damaligen afrikanischen Kolonien zeigt. Der erste Weltkrieg verhinderte den Plan, aber die nach afrikanischen Ländern und Städten benannten Straßen gibt es noch heute im afrikanischen Viertel