434 Kieze, 96 Stadtteile, 12 Bezirke: eine Stadt.

Erfahren Sie mehr über Berlins Bezirke. Die meisten Bezirke haben dabei mehr Einwohner als manch eine Großstadt im Bundesgebiet. Und genauso abwechslungsreich sind die Bezirke selbst.

Erfahren Sie mehr über die einzelnen Stadtteile, deren beliebstesten Ecken und manch interessantes Detail.

Die Serie über die Berliner Bezirke ist im ImmobilienJournal erschienen.

Neukölln

Sind wir doch mal ganz ehrlich, bei der ersten Assoziation an Neukölln fallen einem nicht gerade die positiven Aspekte ein. Und das geht sogar Neuköllnern so. Zu häufig sind die Negativ-Schlagzeilen über Neukölln, die über den Lokalteil der Zeitungen im Gedächtnis bleiben: ob Rütli-Schule, Brandanschläge, Jugendkriminalität oder Kontroversen der Integrationspolitik. Alles Tatsachen, die zum Negativ-Image des Bezirks beigetragen haben und sich in den Köpfen weit über die Landesgrenzen hinaus als Vorurteil manifestiert haben. Manch Neuköllner erfährt ein mitleidiges Nicken, wenn er anderswo seine Herkunft preisgibt. Der ein oder andere sieht sich zu langen Erklärungen genötigt, dass er ja in Britz, Buckow oder Rudow wohne, was zwar zu Neukölln zähle, aber nicht Neukölln sei. 

Und tatsächlich meint Neukölln im Sprachgebrauch Neuköllns Norden, also den innerstädtischen Teil vom Landwehrkanal bis zur Stadtautobahn im Süden. Die sozialdemografischen Probleme sind nicht zu leugnen, dennoch wird hier gerne gewohnt. Seit Jahren müht sich Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky einer Parallelgesellschaft nicht integrationswilliger Bewohner entgegenzuwirken. Tatsächlich wirken Attraktivitätssteigerungen, etwa durch Neugestaltung von Straßen und Plätzen, aber auch das Verbot für Neuansiedlungen von Spielhallen und Wettbüros einer Konzentration einzelner Bevölkerungsgruppen entgegen. 

Neuköllns schwieriger Norden

Jeder Zweite der knapp 305.000 Neuköllner lebt in Neuköllns Norden. Wobei hier der Anteil von Empfängern von Transfersleistungen, Arbeitslosen und Bewohnern nicht-deutscher Herkunft oft das Doppelte des Berliner Schnitts erreicht.  Die soziale Struktur hier nachhaltig zu verbessern, ist erklärtes Ziel des Berliner Senates, das Neukölln-Nord als eines von fünf Ortsteilen als Aktionsraum plus in das Programm integrierte Stadtentwicklung aufgenommen hat.

Die Basis ist schlecht, aber einige Tendenzen sind bereits positiv. Es gilt die Attraktivität der einzelnen Kieze so zu verbessern, dass eine Ghettoisierung (im Übrigen auch von deutschstämmigen bildungsfernen Haushalten) aufgebrochen wird und eine Durchmischung unterschiedlicher sozialer Schichten und Bevölkerungsgruppen gelingt. Ein politisch hochbrisantes Unterfangen, denn eine Attraktivitätssteigerung führt unweigerlich zu erhöhter Nachfrage, steigenden Mieten und Kaufpreisen und somit zur Verdrängung derer, die diese Preise nicht zahlen können oder wollen.

Ein Beispiel für eine positive Wendung ist die erwähnte Rütli-Schule, deren Kollegium mit Brandbriefen große Kritik am Berliner Schulsystem übte. Mittlerweile wurde senatsseitig intensiv nachgebessert, so dass das neue Motto der Schule lautet: „Eine Schule für alle! Kein Schüler bleibt zurück!“. Sogar eine Patenschaft mit dem Maxim-Gorki-Theater wurde geschlossen. 

„In Neukölln, da geht was“, ist so auch wieder oft zu hören. Die Zahlen des statistischen Landesamtes belegen diesen Trend. Für die Wohngebiete nördlich der Sonnenallee beispielsweise, wird seit einigen Jahren eine langsame Verbesserung der Sozialstruktur bescheinigt.

Die bisherige Veränderung ist bereits im Reuterkiez zwischen Sonnenallee und Maybachufer und in der Weserstraße sichtbar. Viele Studenten und Kreative ziehen auf Grund der günstigen Mieten und dem Charme des noch leicht Improvisierten nach Neukölln 44. So siedeln sich in der Reuterstraße viele Galerien und Läden an. In der Weserstraße hingegen kann man tagsüber tolle Läden und Cafés entdecken und den Abend in diversen Bars und Restaurants ausklingen lassen.

Möchte man an einem sonnigen Wochenendtag sein Frühstück nicht in der heimischen Küche zu sich nehmen, so findet man am Weigandufer z.B. die Bäckerei „Zimt und Mehl“. Hier frühstückt man lecker direkt am Landwehrkanal. 

Neukölln bietet viel Kultur! Jährlich finden das Kultur- und Kunstfestival „48 Stunden Neukölln“ und der „Karneval der Kulturen“ statt, bei dem Menschen aller Religionen und Kulturen ihre Kunst und ihre Wahrnehmung der Welt darstellen können und alle gemeinsam im „Multi-Kulti-Bezirk“ zusammen essen, tanzen und einfach Spaß haben. Verschiedenste Veranstaltungen finden im „Heimathafen Neukölln“, der „Neuköllner Oper“ und der „Werkstatt der Kulturen“  statt.

Nord-Neukölln bietet mehr als das gängige Großstadtleben mit allen Tücken und Schikanen: Kieze zum Genießen, Wohlfühlen und Leben (lassen).

Immobilienmarkt mit positiver Tendenz

Der Norden Neuköllns entwickelt sich – langsam – aber stetig. In kaum einem anderen Bezirk werden so viele Mietwohnhäuser verkauft wie hier. Die nachfolgende Modernisierung und Instandsetzung verbessert die Wohnqualität, was sich natürlich auch in steigenden Wohnkosten widerspiegelt. Während die meisten Wohnungen zwischen 5,60 und 6,50 Euro je Quadratmeter zu mieten sind, werden für Wohnungen im Reuterkiez und Teilen des Schillerkiezes bis 8 Euro verlangt und gezahlt. Und das bei weiter steigender Tendenz: beide genannten Kieze verzeichnen binnen Jahresfrist bis 20% Mietsteigerungsraten, sonst im Mittel 10%. Ähnlich sieht die Tendenz bei Eigentumswohnungen aus. Steigerungsraten über 20% sind in den entwickelten Lagen keine Seltenheit, wenn auch die Preistendenz sehr uneinheitlich und von der direkten Mirkolage abhängig ist. Einen großen Vorteil für Wohnungskäufer in Neukölln-Nord gibt es (noch): das äußerst günstige Kaufpreisniveau. Der Großteil der Wohnungen wird um 1000 Euro pro Quadratmeter offeriert. Klar, dass zu dem Preis keine Luxuswohnung erwartet werden darf, aber so günstig kann in Berlin kaum citynahes Eigentum erworben werden. Preisliche Ausnahmen gibt es natürlich auch hier: Quadratmeterpreise um 2000 Euro im Reuterkiez und in der Spitze über 2500 Euro am Landwehrkanal markieren derzeit die Spitze des Nord-Neuköllner Immobilienmarktes.

Neukölln ist nicht gleich Neukölln

Gegensätzlicher zum Neuköllner Norden können die südlichen Ortsteile Britz, Buckow und Rudow nicht sein. Während der Britzer Norden zwischen der Stadtautobahn (Britzer Tunnel) und Teltowkanal noch urban geprägt ist, findet man hier eher Einfamilienhausgebiete mit vorstädtischem Siedlungsbau.

Einige alte Dorfkerne sind Neukölln mit Rixdorf, Britz mit  Gutshof und Schloss und Buckow mit der ältesten Feldsteinkirche, trotz der uneinheitlichen Bebauungsstruktur, erhalten geblieben. Britz bietet jedoch nicht nur Gutshof und Schloss sondern auch ein UNESCO-Welterbe, die sogenannte „Hufeisensiedlung“, dem Siedlungs- und Reformwohnungsbau der 1920er bis 1930er Jahre.  Britz ist zu Recht auch deswegen so beliebt, weil hier Neukölln am grünsten ist. Rund um den alten Dorfkern, an der Mohriner Allee und natürlich der Britzer Garten. Ideal ist auch die Verkehrsanbindung mit der U7. Für viele Britzer ist ihr Kiez der optimale Kompromiss: „Dichte dran an Berlin und weit jenuch weg!“

Ähnlich geprägt sind die Ortsteile Buckow, (nördlich) und Rudow (östlich von Großziethen). Auch hier wird der fündig, der lieber im Grünen als im Stadtgetümmel leben möchte. Die Kaufpreise für Eigenheime liegen im Mittel um 2000 Euro je Quadratmeter, bevorzugte Lagen (Britz um Mohriner Allee; Buckow zur Landesgrenze und Rudow-West nach Großziethen) erzielen bei gleichbleibender Tendenz bis 2500 Euro. 

Zwischen Buckow und Rudow liegt die Gropiusstadt, eines der bekanntesten Beispiele einer Großsiedlung der Nachkriegszeit. Inzwischen ist die Gropiusstadt ein eigener Ortsteil und zieht mit Berlins größtem Shopping-Center, den Gropius-Passagen, nicht nur Neuköllner an.

Neuköllner Ausblick

Für den Neuköllner Norden ist ein zartes Pflänzlein gesetzt, mehr als nur die schon beliebten Ecken zu entwickeln. Einen positiven Effekt lässt sich nach Schließung des Flughafens Tempelhof auch für die angrenzenden Quartiere verzeichnen. Einen anderen Effekt erhoffen sich die Buckower und Rudower vom BBI: vom Fluglärm weitestgehend verschont, wird den Stadtteilen nach Inbetriebnahme des Großflughafens ein Nachfrageschub nach Einfamilienhäusern durch die dann am BBI Beschäftigten prophezeit. 

Neukölln im Vergleich

Übersicht

Neukölln

Berlin

Abweichung

Fläche*

44,9 km²

891,8 km²

5,5%

Einwohner*

305.230

3.371.212

9,1%

Einwohnerdichte

6.798/km²

3.780/km²

+79,8%

Einkommen²

750 €/mtl.

885 €/mtl.

-15,3%

Arbeitslosenquote

19,3%

13,6%

+41,9%

Migrantenanteil³

39,0%

25,5%

+52,9%

Ausländeranteil

21,3%

13,5%

+57,8%

Kriminalität⁴

13.626

14.494

-6,0%

Quelle: Statistisches Landesamt Berlin, Daten per 30.06.2010

  • * statt Abweichung Anteil; 
  • ² verfügbares Pro-Kopf-Einkommen
  • ³ dt. Einwohner mit Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche
  • ⁴ Straftaten je 100.000 Einwohner (2009)

Interessantes und Wissenswertes

  • die meisten Sehenswürdigkeiten Neuköllns liegen in Britz: u.a. Schloss, Gutshof, Britzer Garten, Mühle
  • Neukölln wird 2012 Hundert Jahre alt, davor hieß der Stadtteil Rixdorf
  • Buckow ist mit seiner ersten urkundlichen Erwähnung 1250 nur 13 Jahre jünger als Berlin-Cölln (1237)
  • Es gibt mehr Neuköllner als Einwohner der Landeshauptstädte Wiesbaden, Potsdam, Erfurt, Kiel, Mainz, Schwerin und Magdeburg
  • Türken bilden mit rd. 36.800 Einwohnern die größte Migrantengruppierung, 38% sind inzwischen Deutsche
  • in Neukölln wird noch Landwirtschaft betrieben