434 Kieze, 96 Stadtteile, 12 Bezirke: eine Stadt.

Erfahren Sie mehr über Berlins Bezirke. Die meisten Bezirke haben dabei mehr Einwohner als manch eine Großstadt im Bundesgebiet. Und genauso abwechslungsreich sind die Bezirke selbst.

Erfahren Sie mehr über die einzelnen Stadtteile, deren beliebstesten Ecken und manch interessantes Detail.

Die Serie über die Berliner Bezirke ist im ImmobilienJournal erschienen.

Reinickendorf

Wer mit dem Auto die A111 befährt, wird sich vielleicht schon einmal gewundert haben, dass an der Ausfahrt Waidmannsluster Damm Schilder auf ein Kreuzfahrtterminal  hinweisen. Nun ist Reinickendorf zwar der nördlichste Berliner Bezirk, aber zur Ostsee sind es denn doch noch gut 220 Kilometer. Das Geheimnis ist schnell gelüftet: Seit Anfang des Jahres führen die Wegweiser zum Schiffsanleger im Tegeler Hafen, von dem aus Flusskreuzfahrten über Havel und Oder angeboten werden. Mit dem großspurigen Begriff „Terminal“ prescht der Bezirk im Rennen um die Federführung im immer beliebteren Reisesegment der Flusskreuzfahrten vor, denn im Senatsprogramm zur Förderung des Wassertourismus sind Anleger beispielsweise auch im Westhafen oder auf der Spree geplant. Tegel selbst ist einer der überregional bekanntesten Berliner Stadtteile, was TXL, also dem noch betriebenen Flughafen Otto Lilienthal zu verdanken ist.

Die Reinickendorfer verbinden den Stadtteil aber vorrangig mit dem Tegeler See und seinen Dampferanlegern an der Greenwichpromenade und die Einkaufsstraßen um Gorki-, Berliner Straße und Alt-Tegel. Wer hier wohnt, schätzt die Abwechslung zwischen Urbanität, Wasser und Wald und die hervorragende Infrastruktur mit U- und S-Bahn und auch dem nahen Zubringer zum Stadtring. Kein Wunder, dass die Mietpreise in den meisten Tegeler Kiezen binnen Jahresfrist um 5-15% anzogen. 

Eigenheimbesitzer sind eher in den nördlichen Stadtteilen Heiligensee, Hermsdorf, Lübars und natürlich Frohnau anzutreffen. Im letzten Jahr gerade Einhundert Jahre alt geworden, erfreut sich Frohnau einer ungebrochenen Beliebtheit. Die als Gartenstadt um den heutigen S-Bahnhof geplante Siedlung wurde als landschaftsarchitektonisches Gesamtkonzept mit zwei zentralen Plätzen angelegt. Zahlreiche imposante Villen im Jugendstil in leicht geschwungenen Alleen zeugen noch heute von der städtebaulichen Prägung des Gesamtensembles. Wer es sich leisten kann, bevorzugt eine der feinen Adressen in Frohnau, auch wenn der Weg in die Stadt weit und im Berufsverkehr stets staugeladen ist.

Frohnau, Hermsdorf und Co.

Etwas günstiger lassen sich Eigenheime im benachbarten Hermsdorf erwerben. Besonders beliebt sind Lagen um den Waldsee oder in der Nähe des Tegeler Fließes, einem Überbleibsel des Urstromtales. Zu Zeiten der Deutschen Teilung waren Parzellen hier draußen im Grünen für die „Insel-Berliner“ rar und entsprechend teuer. Die Nähe zu den Nordberliner Villen-Vororten bescherte der angrenzenden Brandenburger Gemeinde Glienicke/Nordbahn, die sich mit dem berühmten „Entenschnabel“ zwischen Frohnau und Hermsdorf schiebt,  nach der Wende knapp eine Verdreifachung der Einwohnerzahl. Zahlreiche Siedlungsgebiete, wie beispielsweise dem Sonnengarten, boten in den Boomjahren der 1990er vergleichsweise erschwinglichen Wohnraum für Mieter und Käufer. So zogen fast 6.000 Berliner ins Brandenburgische und blieben trotz OHV-Kennzeichen doch gefühlte Nordberliner. 

Auch in den Ortsteilen Heiligensee, Konradshöhe, Tegelort und Lübars und zum Teil noch Waidmannslust überwiegen Eigenheime. Wobei in Heiligensee die Lagen an Havel und Tegeler Forst - die naturnahe Umgebung zwischen Wald und Wasser -, die wesentlichen Kriterien sind, sich hier niederzulassen, glänzt Lübars mit seinem ganz dörflichen Charme. Hier kann es passieren, dass einem Reiter und Traktoren entgegenkommen und auch die Geländewagen  passen in Lübars ins Bild. Um den restaurierten Dorfanger herum vergisst man schnell, in der Deutschen Hauptstadt zu sein, würde der Blick über die Felder nicht am südlichen Horizont an der Skyline des Märkischen Viertels hängenbleiben. 

Märkisches Viertel - das andere Reinickendorf

Obwohl das Märkische Viertel – kurz MV genannt – nur 2/3 der Fläche von Lübars hat, leben hier siebenmal soviele Berliner, wie nebenan. 

Ausgehend von dem Wohnungsbedarf der Nachkriegsjahre wurde Anfang der 1960er Jahre anstelle der in Kleingartenbaracken untergebrachten Notunterkünfte eine zeitgemäße moderne Stadt vom Reißbrett aus geplant. Knapp 17.000 moderne Wohnungen in zum Teil 20-geschossigen Hochhäusern mit eigenen Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Schwimmbad konnten zwischen 1964 und 1974 bezogen werden. Tatsächlich aber kam die Infrastruktur aus der Retorte der rasant wachsenden Bevölkerung nicht hinterher. Nur mit dem Bus zu erreichen, blieben die MVler praktisch auf ihr Viertel begrenzt. Die wenigen Freizeiteinrichtungen boten nur wenig Abwechslung, was schnell zur Frustration, insbesondere bei den jungen Bewohnern führte. Lange Jahre hatte das Märkische Viertel den Ruf des Sammelbeckens für sozial schwächere Berliner weg, ein Image, das auch genauso lange in den Medien aufrecht erhalten wurde.

Inzwischen sind Plätze und Parks neu gestaltet, die Platanen zu stattlichen Alleen herangewachsen. Ein günstiges Mietpreisniveau ab fünf Euro nettokalt auf den Quadratmeter spricht heute wieder viele Mieter an, auch die 2007 begonnene energetische Sanierung tut ein Übriges zur Steigerung der Attraktivität. 

Der namensgebende Ortsteil Reinickendorf zwischen Kurt-Schumacher-Platz und Provinzstraße ist nach dem Märkischen Viertel der am zweitdichtesten besiedelte Ortsteil im Berliner Norden. Dichte Bebauung mit Mietwohnhäusern unterschiedlichster Baujahre und Erhaltungszustände prägen das Stadtbild. Hervorzuheben ist die seit 2008 zum Unesco Weltkulturerbe zählende „Weiße Stadt“ an der Aroser Allee. Die im Stil der Neuen Sachlichkeit in leicht geschwungenen Formen 1929-31 erbaute Siedlung erfreut sich wieder einer lebhaften Nachfrage. Das fünfgeschossige Brückenhaus ist weithin als Synonym für modernen Siedlungsbau bekannt. Ganz Reinickendorf wird Mitte nächsten Jahres aufatmen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Einflugschneise des Flughafens Tegel verläuft genau über den Ortsteil Reinickendorf, wobei die Flugzeuge im Landeanflug schon so tief sind, dass man sie fast anfassen könnte – und zu überhören sind sie erst recht nicht. Mit der Schließung von TXL kehrt auch hier bald soviel Ruhe ein, wie man es von den anderen Reinickendorfern Ortsteilen gewohnt ist.

Reinickendorfs Immobilienmarkt im Aufwind

Die klassischen Mietwohnlagen mit Reinickendorf, Tegel und Wittenau (Märkisches Viertel) liegen mit 5 bis 6 Euro 50 nettokalt auf einem günstigen Berliner Niveau. In der Neuvermietung werden oft 10% höhere Mieten erzielt, wobei das Märkische Viertel mit einem konstanten Niveau die Ausnahme bildet. Die in Relation wenigen Mietwohneinheiten in Hermsdorf, Frohnau und Heiligensee erzielen in guten Lagen sogar über 20% höhere Mietpreise bei einem schon bestehenden Mietniveau um zehn Euro auf den Quadratmeter Wohnfläche.

Eine ähnliche Tendenz spiegelt sich in den Preisen für Eigentumswohnungen wider, wobei Wohnungen in Reinickendorf und Borsigwalde schon unter 1.000 Euro je Quadratmeter zu haben sind, hier aber die Preissteigerung vielfach die 20%-Marke übersteigt, was sicher den Umstand der baldigen Schließung des Flughafens vorwegnimmt. Schon gut nachgefragte Lagen der Außenbezirke zeigen Steigerungen zwischen 10 und 20% bei einem Preisniveau von 1.750-2.500 Euro/m² auf. 

Freistehende Einfamilienhäuser sind in Reinickendorf kaum unter 2.000 Euro pro Quadratmeter zu bekommen. Die meisten Wohnlagen in Hermsdorf, Heiligensee und Frohnau liegen um 2.500 Euro, besonders nachgefragte Lagen in den drei Ortsteilen sogar um 3.000 Euro/m². Bei der Preisentwicklung im Eigenheimsegment findet z.Zt. eine Angleichung der Preise statt. Bislang unterbewertete Mikrolagen erfahren Preisaufschläge im zweistelligen Bereich, wohingegen einige hochpreisige Lagen Abschläge in ähnlicher Größenordnung hinnehmen müssen. 

Reinickendorf im Vergleich

Übersicht

Reinickendorf

Berlin

Abweichung

Fläche*

89,5 km²

891,8 km²

10,0%

Einwohner*

240.852

3.371.212

7,1%

Einwohnerdichte

2.691/km²

3.780/km²

-28,8%

Einkommen²

950 €/mtl.

885 €/mtl.

+7,3%

Arbeitslosenquote

9,2%

13,6%

-32,4%

Migrantenanteil³

22,8%

25,5%

-10,6%

Ausländeranteil

9,7%

13,5%

-28,1%

Kriminalität⁴

11.288

14.494

-21,6%

Quelle: Statistisches Landesamt Berlin, Daten per 30.06.2010

  • * statt Abweichung Anteil; 
  • ² verfügbares Pro-Kopf-Einkommen
  • ³ dt. Einwohner mit Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche
  • ⁴ Straftaten je 100.000 Einwohner (2009)

Interessantes und Wissenswertes

  • Reinickendorf hat u.a. viele musikalische Söhne. Wer kennt nicht den Klassiker „Über den Wolken“ von Reinhard Mey oder „Die beste Band der Welt“ die Ärzte mit ihrem Hit „Westerland“?!
  • Sogar ein Stück England ist in Reinickendorf zu finden, denn auf der Greenichpromenade steht eine typisch englische Telefonzelle.
  • Im Frohnauer Forst kann man über gepflasterte Straßen spazieren gehen. Die schon bei Gründung Frohnaus vor 101 Jahren angelegen Straßen wurden aber nie besiedelt.

Reinickendorf hat u.a. viele musikalische Söhne. Wer kennt nicht den Klassiker „Über den Wolken“ von Reinhard Mey oder „Die beste Band der Welt“ die Ärzte mit ihrem Hit „Westerland“?!

Übersicht

Rein.dorf

Berlin

Abw.

Fläche*

89,5 km²

891,8 km²

10,0%

Einwohner*

240.852

3.371.212

7,1%

Einwohnerdichte

2.691/km²

3.780/km²

-28,8%

Einkommen²

950€/mtl.

885 €/mtl.

+7,3%

Arbeitslosenquote

9,2%

13,6%

-32,4%

Migrantenanteil³

22,8%

25,5%

-10,6%

Ausländeranteil

9,7%

13,5%

-28,1%

Kriminalität⁴

11.288

14.494

-21,6%

*statt Abweichung Anteil; ²verfügbares Pro-Kopf-Einkommen

³dt. Einwohner mit Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche

Straftaten je 100.000 Einwohner (2009)

Quelle: Statistisches Landesamt Berlin, Daten per 30.06.2010

Wissenswertes über Reinickendorf

§Sogar ein Stück England ist in Reinickendorf zu finden, denn auf der Greenichpromenade steht eine typisch englische Telefonzelle.

§Im Frohnauer Forst kann man über gepflasterte Straßen spazieren gehen. Die schon bei Gründung Frohnaus vor 101 Jahren angelegen Straßen wurden aber nie besiedelt.

§Reinickendorf hat u.a. viele musikalische Söhne. Wer kennt nicht den Klassiker „Über den Wolken“ von Reinhard Mey oder „Die beste Band der Welt“ die Ärzte mit ihrem Hit „Westerland“?!

Sogar ein Stück England ist in Reinickendorf zu finden, denn auf der Greenichpromenade steht eine typisch englische Telefonzelle.

Im Frohnauer Forst kann man über gepflasterte Straßen spazieren gehen. Die schon bei Gründung Frohnaus vor 101 Jahren angelegen Straßen wurden aber nie besiedelt.