434 Kieze, 96 Stadtteile, 12 Bezirke: eine Stadt.

Erfahren Sie mehr über Berlins Bezirke. Die meisten Bezirke haben dabei mehr Einwohner als manch eine Großstadt im Bundesgebiet. Und genauso abwechslungsreich sind die Bezirke selbst.

Erfahren Sie mehr über die einzelnen Stadtteile, deren beliebstesten Ecken und manch interessantes Detail.

Die Serie über die Berliner Bezirke ist im ImmobilienJournal erschienen.

Steglitz-Zehlendorf

Wer denkt bei Steglitz-Zehlendorf nicht sofort an „Pack‘ die Badehose ein und nüscht wie raus an‘ Wannsee“? Berlins größte Badewanne ist sicher in die Jahre gekommen und daran ist nicht nur der ausgefallene Sommer 2011 schuld. Tatsächlich verbinden viele Altberliner den Bezirk, der einst noch vor den Toren der Stadt lag, mit Wald und Wasser. Mit Großem und Kleinen Wannsee, Havel, Schlachten- und Nikolassee und auch der Krummen Lanke sind die Gewässer prägend. Wer es sich leisten konnte, baute hier zu Kaisers Zeiten seine Villa direkt am Wasser. Neben den klassischen Wasserlagen ist der Alt-Bezirk Zehlendorf reich an guten Adressen, die man gerne auf seiner Visitenkarte sieht. So zählen denn auch fast alle Wohnlagen zu den guten und besonders nachgefragten Lagen des Berliner Mietspiegels. In der Folge sind nicht nur die Preise für Grundstücke, Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen besonders hoch, auch das Mietniveau ist für Stadtrandlagen überdurchschnittlich.

Der Wanderungssaldo ist in den meisten Stadtteilen seit Jahren positiv. Das heißt, mehr (neue) Berliner wollen sich hier niederlassen, als wegziehen. Insbesondere Neubauprojekte wie beispielsweise das Schweizer Viertel oder das Sanierungsprojekt Monroe-Park/Loftland auf dem zuletzt von den amerikanischen Truppen genutzten ehemaligen AEG-Werk (beides in Lichterfelde-West) lockten viele in den südlichen Teil des Bezirks.  Nicht nur Eigennutzer schlagen bevorzugt bei solchen Angeboten zu, auch Kapitalanleger nutzen die Gelegenheit, in attraktiven Lagen Immobilieneigentum zu erwerben und dem Mietwohnmarkt zur Verfügung zu stellen. Nicht selten liegen die Mietpreise in der Neuvermietung über 12 Euro je Quadratmeter – Nettokalt versteht sich. 

Auch die klassischen Einfamilienhausgebiete Zehlendorfs und im südwestlichen Steglitz erfreuen sich reger Nachfrage. Über Jahrzehnte gewachsene Strukturen, baumbestandene Straßen und eine gutbürgerliche Bevölkerungsstruktur sind die ausschlaggebenden Kriterien für den Zuzug in die Gebiete beispielsweise am Schlachtensee, Krumme Lanke und auch Lichterfelde. 

Gute Adressen kosten gutes Geld

Die Kaufpreisentwicklung ist in den einzelnen Ortsteilen allerdings höchst different. Die gute Adresse allein rechtfertigt schon lange nicht mehr einen hohen Kaufpreis. Käufer, die ihr Domizil bevorzugt in Zehlendorf aufschlagen wollen, haben eine recht genaue Vorstellung, welchen Gegenwert sie für ihr Geld erwarten. Immobilien an Durchgangsstraßen und in Gegenden mit wenig attraktiver Bebauung mussten in den vergangenen Jahren deutliche Preisabschläge hinnehmen. Andererseits konnten die Ecken, in denen Lage, Umfeld und Bevölkerungsstruktur stimmen, Preisaufschläge von über zwanzig Prozent realisieren.

Die Adresse Berlins ist aber sicher Dahlem. Zwischen dem Platz am Wilden Eber an der Bezirksgrenze zu Charlottenburg-Wilmersdorf und Schützallee im Süden prägen nicht nur Botschaften in stattlichen Villen das Bild, auch viele normale Einfamilienhäuser fallen hier gern eine Nummer größer aus. Einst als Villenkolonie mit breiten Alleen und großen Grundstücken angelegt, blieb dieser Charakter weitgehend erhalten. Wer hier wohnt, ist stolz darauf, Dahlemer zu sein. Obwohl zumeist mit einem gewissen Understandment, wenn lediglich der Straßenname genannt wird, in der fast selbstverständlicher Erwartung, ein Jeder hätte zu wissen, dass Podbielskiallee oder Thielallee in Dahlem liegen. Fast schon ein geflügeltes Wort in Immobilienanzeigen ist das Zitat „Dahlem des Ostens“, wenn eine gute Lage beispielsweise in Karlshorst oder Kaulsdorf hervorgehoben werden soll. 

Dörfer in der Stadt

Neben den Universitätseinrichtungen der Freien Universität Berlin dürften auch Nichtstudenten die Domäne Dahlem direkt am U-Bahnhof Dahlem-Dorf kennen. Zumindest, wer im ehemaligen Westteil zur Schule gegangen ist, kennt das bäuerliche Gehöft mit Freilandmuseum auch von innen.  Ein weiteres Open-Air-Museum bietet mit Schwerpunkt auf die Rekonstruktion eines mittelalterlichen Dorfes das Museumsdorf Düppel nahe der Stadtgrenze zu Kleinmachnow.

Eine ganz andere „Sehenswürdigkeit“ liegt an der Avus. Gemeint ist nicht der ehemalige Kontrollpunkt Dreilinden, den sicher noch viele Ältere in unangenehmer Erinnerung haben, sondern etwas weiter nördlich an der Spanischen Allee, die sogenannte „Spinnerbrücke“. Der Treffpunkt der Biker ist seit Maueröffnung nicht nur Anziehungspunkt für Motorradfahrer aus Berlin und Umgebung, auch Weitgereiste machen hier einen Stopp auf dem Weg in die Hauptstadt. Die Spinnerbrücke ist mit den Jahren reifer geworden. Die einstige Imbissbude ist zwischenzeitlich zu einem Restaurant herangewachsen. Auch das Publikum ist bürgerlicher geworden, Bikerinnen sind keine Seltenheit und auch manche Harley soll schon mit Griffheizung gesichtet worden sein. 

Etwas weiter östlich am Mexikoplatz sind Motorräder seltener, die Cabrio-Dichte dafür aber umso höher. Das Zentrum zwischen Schlachtensee und Krumme Lanke entwickelt sich mehr und mehr zur Top-Adresse. Um den idyllischen Platz am gleichnamigen S-Bahnhof trifft man sich in Cafés, Restaurants und Biergärten oder genießt einen original französischen Crêpe auf dem Wochenmarkt. Gut Wohnen lässt es sich hier natürlich auch. Wer das Glück hat, in den umliegenden Straßen ein Grundstück zu ergattern, zahlt gerne die verlangten 400 Euro für den Quadratmeter baureifes Land.

Der urbane Teil: Steglitz

teglitz, als namensgebender Bezirksteil ist sehr viel urbaner. Überwiegend Mietwohnhäuser prägen das Stadtbild nicht nur um die Schloßstraße, auch die Ortsteile Lankwitz und die nördlichen Teile von Lichterfelde sind überwiegend städtisch bebaut. Die Mietpreise liegen zwischen 5,60  und 8 Euro je Quadratmeter etwas über dem Berliner Schnitt, auch die Steigerungsraten machen mit rd. 6% gegenüber dem Vorjahr keine Ausnahme. Die Kaufpreise der hier angebotenen Eigentumswohnungen liegen im Mittel zwischen 1.200 und 1.800 Euro/m², je nach Zustand und Lage. Aufgrund des sehr hetorogenen Angebots von gut sanierten bis sanierungsbedürftigen Einheiten spiegelt die Preisentwicklung mit z.T. 25% Zuwachs oder Abschlag benachbarter Straßen eher die Güte des Angebots wider, als eine Veränderung des Nachfrageverhaltens.

Besonders beliebt sind Wohnungen in fußläufiger Entfernung der Schloßstraße und dennoch ruhiger Wohnlage. Mit idealer Verkehrsanbindung (U- und S-Bahn, Autobahn), Kaufhäusern und einem breiten Einzelhandelssortiment ist die Einkaufsmeile auch Anziehungspunkt für Berliner aus anderen Bezirken. Seit 1976 thront inmitten der Schloßstraße der „Bierpinsel“ genannte Pop-Art-Turm. Seit Frühjahr letzten Jahres ist das markante Rot verschwunden und das komplette Bauwerk ist in einer Graffito-Kunstaktion neu gestaltet worden. Ein Umstand, der nicht nur den Architekten des Bierpinsels missfällt.

Am südlichen Ende der Schloßstraße wirft ein nicht minder umstrittener Bau seine Schatten auf das 2009 von Dieter Hallervorden wiedereröffnete Schlossparktheater: der Steglitzer Kreisel. Seit dem Baubeginn des Hochhauses 1968 reiht sich eine Panne an die andere. Nach zwischenzeitlicher Nutzung durch das Bezirksamt musste aufgrund der erheblichen Asbestbelastung das Gebäude geschlossen werden und wartet nun auf seine Sanierung. Natürlich nimmt der Steglitz-Zehlendorfer die Bauentwicklung gelassen, schließlich wohnt man ja in seiner ausgewählten Ecke und kommt in die Schloßstraße eher zum Arbeiten oder Shoppen.

Steglitz-Zehlendorf im Vergleich

Übersicht

Steglitz-Zehlendorf

Berlin

Abweichung

Fläche*

102,5 km²

891,8 km²

11,5%

Einwohner*

290.405

3.371.212

8,6%

Einwohnerdichte

2.833/km²

3.780/km²

-25,0%

Einkommen²

1.000 €/mtl.

885 €/mtl.

+13,0%

Arbeitslosenquote

8,0%

13,6%

-41,2%

Migrantenanteil³

22,3%

25,5%

-12,5%

Ausländeranteil

11,0%

13,5%

-18,5%

Kriminalität⁴

8,665

14.494

-40,2%

Quelle: Statistisches Landesamt Berlin, Daten per 30.06.2010

  • * statt Abweichung Anteil; 
  • ² verfügbares Pro-Kopf-Einkommen
  • ³ dt. Einwohner mit Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche
  • ⁴ Straftaten je 100.000 Einwohner (2009)

Interessantes und Wissenswertes

  • Die „Spinnerbrücke“ am Motel an der Avus verdankt ihren Namen den Motorsportanhängern. Ob es diejenigen waren, die die Rennen auf der Avus verfolgten oder später die Motorräder des beliebten Bikertreffs bestaunten, ist nicht geklärt
  • Der Bezirk ist sehr unterschiedlich besiedelt. In Steglitz und Lichterfelde lebt die Hälfte der Bevölkerung des Bezirks.
  • In Wannsee leben nur drei Prozent der Bevölkerung des Bezirks, jedoch hat der Ortsteil die größte Fläche, und zwar fast ein Viertel der Gesamtfläche des Bezirks
  • Acht Botschaften sind in Steglitz-Zehlendorf ansässig. U.a. Thailand, Iran und Irak