434 Kieze, 96 Stadtteile, 12 Bezirke: eine Stadt.

Erfahren Sie mehr über Berlins Bezirke. Die meisten Bezirke haben dabei mehr Einwohner als manch eine Großstadt im Bundesgebiet. Und genauso abwechslungsreich sind die Bezirke selbst.

Erfahren Sie mehr über die einzelnen Stadtteile, deren beliebstesten Ecken und manch interessantes Detail.

Die Serie über die Berliner Bezirke ist im ImmobilienJournal erschienen.

Tempelhof-Schöneberg

Tempelhof-Schöneberg ist vor allem für die Debatten rund um den ehemaligen Flughafen bekannt, wie auch für das größte Kaufhaus Europas, das „KaDeWe“, das selbst viele Berliner eher in Charlottenburg vermuten (was bis 1938 auch stimmte). Auch die berühmten Worte John F. Kennedys „Ich bin ein Berliner“, die er am damaligen Rudolph-Wilde-Platz vor dem Rathaus Schöneberg im geteilten Berlin ausrief, dürften auch noch nach einem halben Jahrhundert jedem ein Begriff sein. Nach seiner Ermordung wurde der Platz ihm zu Ehren in John-F.-Kennedy-Platz umbenannt. Der Großbezirk weist noch vielerlei mehr an Geschichte und Tradition, aber auch Anzeichen für Wandel und Moderne auf. Dies lässt sich besonders in der unterschiedlichen Bebauung und Architektur des Bezirks wiedererkennen. 

Schöneberg - weit mehr als nur das KaDeWe

Eine einstige Landhauskolonie nach englischem Vorbild, heute erheblich verdichteter bebaut - die Rede ist von Friedenau, der kleinste Ortsteil im Bezirk, aber dafür der am dichtesten besiedelte Ortsteil Berlins. Er zählt zu Recht zu den beliebtesten Wohnlagen der Hauptstadt. Die geschlossene Bauweise mit gepflegten, meist vierstöckigen Altbauten, wundervoll restaurierten Fassaden und begrünten Vorgärten, ist für viele die perfekte Mischung urbanen und doch gediegenen Lebens. Nur vereinzelt lassen sich in Friedenau freistehende alte Villen entdecken.

Der Ortsteil Schöneberg bietet einen bunten Mix aus hochwertigem Wohnen mit neuesten Standards und gemütlichem Wohnen im sanierten Altbau. Gerade die nördlichen Kieze ziehen mit der lebendigen Kultur- und Kneipenszene viele junge Leute an. Aber man kann auch hier genauso ruhig und idyllisch wie im beschaulichen Friedenau leben, denn das Gebiet um den Bayrischen Platz bietet genau das. Hier findet man schön restaurierte Stuckfassaden an prachtvollen Altbauten und kleine Vorgärten. Jedoch hat hier der Krieg seine Spuren hinterlassen, denn man findet immer wieder Wohnhäuser in Zeilenbauweise, also quer zur Straße stehende Häuser, die durch kleine Fußgängerwege erschlossen werden. Sie wurden in die Lücken gebaut, die der Zweite Weltkrieg hinterließ. Das Bayrische Viertel musste daher etwas seines Glanzes einbüßen, ist aber weiterhin ein sehr charmanter und beliebter Wohnort, gerade bei besser situierten Bevölkerungsschichten. Deutlich bunter und zuweilen schräg geht es im Schöneberger Norden zwischen Winterfeldt- und  Nollendorfplatz zu. Hier reihen sich Bars und Cafés aneinander. Gerade bei jungen Leuten und Familien sehr beliebt sind modernisierte Alt- oder hochwertige Neubauten. Der kunterbunte Wochenmarkt am Winterfeldtplatz lädt zum gemütlichen Shoppen in wundervoller Atmosphäre ein. Für den gehobenen Wohnanspruch und das großstädtische Leben sorgt das Gebiet um die Tauentzienstraße. In den Seitenstraßen lässt es sich vergleichsweise ruhig und nobel in prunkvollen Gebäuden wohnen, wenngleich das Niveau der Ku’damm-Seitenstraßen nicht erreicht wird.

Zum Einkaufen muss man nur mal kurz um die Ecke biegen und findet an der Tauentzienstraße alles was das Herz begehrt. Den Tauentzien (kein Berliner sagt Tauentzienstraße) lieben nicht nur die Berliner selbst. Wer sich zum Wochenendbummel einlässt, wird die viel zu schmalen Trottoirs mit vielen Touristen teilen müssen, denn zu Spitzenzeiten schlendern bis zu 8.000 Personen stündlich an den Schaufenstern vorbei. Besonders das KaDeWe lockt mit seinen exquisiten Angeboten auf ca. 60.000 m² Verkaufsfläche viele Touristen an.

Tempelhof - gerade auch ohne Flughafen attraktiv

Der zweite namensgebende Bezirk Tempelhof bestand bis zur Bezirksreform von 2001 schon aus den Stadtteilen Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade.

Tempelhof lässt sich auch für Berliner nicht ohne die Assoziation Flughafen denken. Mit der Schließung kam natürlich die Frage auf, was mit dem nun ungenutzten Gelände anzufangen wäre. Die endlosen Debatten und Diskussionen werden die Hauptstädter sicher noch eine Zeit lang begleiten. Seit Mai 2010 wird das Areal als riesige Grünfläche von der Öffentlichkeit genutzt. Derzeit werden lediglich zwei Hangars als Veranstaltungsorte für verschiedenste Events genutzt. Ob Museen, Kletterberge und was sonst so alles an Ideen für das Tempelhofer Feld in die öffentliche Debatte geworfen wird, sich tatsächlich positiv auf die Ortslage auswirken, bleibt abzuwarten.

Tempelhof selbst ist innerstädtisch geprägt. Neben klassischen Altbaubeständen und Industrie- und Gewerbeansiedlungen entlang des Teltowkanals, ist Tempelhof natürlich mit dem Tempelhofer Feld des ehemaligen Flughafens und der Fliegersiedlung städtebaulich besonders exponiert. Die zwischen dem heutigen Bahnhof Südkreuz und dem Flugfeld angelegte Reihenhaussiedlung war schon zu Zeiten des Flugbetriebs sehr beliebt, obwohl hier startende und landende Flugzeuge zum Greifen nah waren. Der Tempelhofer Ortskern ist von Mietshäusern älteren und neueren Datums geprägt. 

Fährt man die Hauptverkehrsader Tempelhofs, den „T-Damm“, südwärts, wird es spätestens ab Alt-Mariendorf ländlich. Die Trabrennbahn läutet den Übergang zu den Einfamilienhausgegenden in den südlichen Ortsteilen ein, deren beliebtester nach wie vor Lichtenrade als südlichstem Berliner Stadtteil ist. Die reine Wohngegend garantiert Ruhe und Abgeschiedenheit, wenn auch die Lichtenrader die Betriebsamkeit an der Bahnhofstraße, der Einkaufsmeile im Bezirk, schon als großstädtisch empfinden. Die dörfliche Herkunft des Ortsteils lässt sich noch erahnen, wenn auch Alt-Lichtenrade mit Dorfanger und Feldkirche jetzt etwas abseits des Ortskerns liegen. Lediglich an der Stadtgrenze zu Großziethen liegen auch große Neubaukomplexe.

Das nordwestlich angrenzende Marienfelde besitzt ebenso noch weitestgehend einen intakten Dorfkern mit Kirche, Bauernhäusern und Gutshof. Auf relativ kleinem Raum wechseln sich Einfamilienhaussiedlungen, ältere Mietshäuser und Etagenwohnungen insbesondere aus den 1960er und 1970er Jahren ab.  Derzeit lässt beispielsweise die Degewo in Großsiedlungen an der Waldsassener Straße rund 2.400 Wohnungen aus den 70er Jahren modernisieren und energetisch sanieren. Entlang der S-Bahn-Trasse erstrecken sich große Industrie- und Gewerbeansiedlungen bis hoch ins nördlich angrenzende Mariendorf. Während sich in den südöstlichen Teilen Mariendorfs um die Trabrennbahn die Besiedlung mit Einfamilienhäusern fortsetzt, wird die Bebauung in Richtung Tempelhof und zum Nachbarbezirk Steglitz dichter. Hier prägen eher  Mietshäuser das Bild, die durch viel Grün und Kleingartenkolonien durchmischt sind. 

Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt

Die Entwicklung des Immobilienmarktes des Großbezirks muss sehr differenziert betrachtet werden, da viele verschiedene Faktoren auf die Ortsteile Einfluss nehmen. Marienfelde, Mariendorf und Schöneberg sind die Ortsteile, die am wenigsten von dem alten Flughafen oder den neuen Flugrouten betroffen sind und daher eine buntgemixte und scheinbar eher auf Beliebtheit basierende Entwicklung des Preisniveaus aufweisen. So liegen die Mietpreise für Wohnungen bei ca. 5,60 – 6,50 € je Quadratmeter (nettokalt), wobei der innerstädtische Stadtteil Schöneberg mit ca. 6,60 – 8,00€/m² die deutlich höhere Nachfrage verspürt. Impulse kommen wie bei den meisten citynahen Lagen von einem eher jüngeren Publikum, das eine lebendige Bar- und Cafészene genauso schätzt, wie kurze Wege. Dennoch ist ein rückläufiger Trend zu beobachten, der bei sehr unterschiedlicher Entwicklung einzelner Kiezlagen im Durchschnitt einen Rückgang von -9,9 bis -2,6 % von 2009 auf das Jahr 2010 ausweist. Lichtenrade und Tempelhof haben trotz unterschiedlicher Käufer- und Mieterstruktur die gleiche Entwicklung genommen, wobei die Mietpreise in Lichtenrade bei ca. 7,50€/m² nettokalt und in Tempelhof bei ca. 6,00€ den Quadratmeter recht konstant liegen.  Die Kaufpreise für Wohnungen liegen im Großbezirk einheitlich zwischen 1.000 und 1.500€ den Quadratmeter. Beachtenswert ist hierbei die Entwicklung in Marienfelde, Mariendorf und Schöneberg. Weniger attraktive Siedlungsgebiete mit zumeist Gebäuden aus der Wiederaufbauphase mussten im Jahresvergleich Abschläge von bis zu minus 20% hinnehmen, während noch im selben Kiez junge gebrauchte und gut erhaltene Altbauwohnungen bis plus 10% tendieren.

In Tempelhof hingegen ist eine eindeutig positive Entwicklung von 10 bis 20% zu verzeichnen. Allein der Bodenrichtwert in Tempelhof stieg von 230€ auf 300€ an, also um mehr als 30%. Nach Schließung des Flughafens Tempelhof wurde der Stadtteil zunehmend als Wohnstandort auch von denen entdeckt, die zuvor Sorge um den Fluglärm hatten, obgleich die meisten Tempelhofer Lagen gar nicht betroffen waren. 

Lichtenrade nimmt eine Sonderrolle ein. Als der Stadtteil zu Teilungszeiten noch zu drei Seiten eingemauert war, versprach er den West-Berlinern das ruhige Landleben in der Stadt. Seit nun über zwanzig Jahren wird gerungen, ob und wie die alten Verbindungen aus Berlin nach Brandenburg reaktiviert und ausgebaut werden. Schon die Diskussion um die „Dresdner Bahn“, also der Ausbau der S-Bahntrasse für den Fern- und Güterverkehr sorgen für einen freien Fall der Immobilienpreise entlang der Bahn. Eine Dauerstaustelle stellt (noch) die B96 im Abschnitt Kirchhainer Damm zur Landesgrenze dar. Auf Brandenburger Seite mit einer Schnellstraße und nördlich der Bahnhofstraße als sechsspurige Stadtstraße ausgebaut, verursacht der Stopp- und Go-Verkehr gereizte Nerven, Lärm und Abgase. Der Lückenschluss des Kirchhainer Damms ist nun endlich Anfang 2013 geschafft.

Auch die Diskussionen über mögliche Routen und Flugschneisen des künftigen Flughafens BER führten mit der ständigen Ungewissheit, wie stark Lichtenrade betroffen sein wird, bereits zu einem Rückgang der Immobilienpreise die zuletzt nochmals um bis zu 10% (2010 auf 2009) nachgaben. Die Erholung des Preisniveaus wird den Abschluss der Infrastrukturmaßnahmen und die Eröffnung des BER brauchen. 

Tempelhof-Schöneberg im Vergleich

Übersicht

Tempelhof-Schöneberg

Berlin

Abweichung

Fläche*

53,1 km²

891,8 km²

6,0%

Einwohner*

328.619

3.371.212

9,7%

Einwohnerdichte

6.188/km²

3.780/km²

+63,7%

Einkommen²

875 €/mtl.

885 €/mtl.

-1,1%

Arbeitslosenquote

13,7%

13,6%

+0,7%

Migrantenanteil³

31,4%

25,5%

-23,1%

Ausländeranteil

16,0%

13,5%

+18,5%

Kriminalität⁴

11.080

14.494

-23,6%

Quelle: Statistisches Landesamt Berlin, Daten per 30.06.2010

  • * statt Abweichung Anteil; 
  • ² verfügbares Pro-Kopf-Einkommen
  • ³ dt. Einwohner mit Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche
  • ⁴ Straftaten je 100.000 Einwohner (2009)

Interessantes und Wissenswertes

  • Während der Berlinblockade versorgten die Westalliierten die Stadt aus der Luft. Auch nach Ende der Blockade gingen die Versorgungsflüge zunächst weiter. Mit dem Namen des Platzes der Luftbrücke wird an die Berliner Luftbrücke von 1948/1949 erinnert.
  • Klaus Wowereit wurde 1953 im Altbezirk Tempelhof geboren und Albert Einstein lebte seinerzeit im Bayrischen Viertel.
  • Mit der Columbiahalle (heutige C-Halle) im Norden und der Ufa-Fabrik im Süden Tempelhofs besitzt der Bezirk  zwei berlinweit bekannte, kommerzielle Veranstaltungsstätten mit unterschiedlichem Ansatz.