434 Kieze, 96 Stadtteile, 12 Bezirke: eine Stadt.

Erfahren Sie mehr über Berlins Bezirke. Die meisten Bezirke haben dabei mehr Einwohner als manch eine Großstadt im Bundesgebiet. Und genauso abwechslungsreich sind die Bezirke selbst.

Erfahren Sie mehr über die einzelnen Stadtteile, deren beliebstesten Ecken und manch interessantes Detail.

Die Serie über die Berliner Bezirke ist im ImmobilienJournal erschienen.

Treptow-Köpenick

Wer kennt ihn nicht, den berühmten Hauptmann von Köpenick? Friedrich Wilhelm Voigt wurde für seinen Überfall auf das Rathaus Cöpenick bei Berlin im Jahre 1906 bekannt. Als Hauptmann verkleidet, drang er zusammen mit zehn von ihm rekrutierten Soldaten in das Rathaus ein, verhaftete den Bürgermeister und stahl die Stadtkasse. Dieses Ereignis ging als „Köpenickiade“ in die deutsche Sprache ein. Noch heute steht sein Denkmal vor dem Rathaus Köpenick. Doch der Großbezirk Treptow-Köpenick bietet mit ca. 36,4% die größte Wasser- und mit ca. 43% die größte Waldfläche Berlins. Dies führt unweigerlich in den meisten Ortsteilen zu einem unglaublich idyllischen und hochwertigen Lebensgefühl. In Treptow-Köpenick findet man vom bunten Stadtleben bis hin zur ruhigen Wohngegend alles was das Herz begehrt. 

Köpenick ist sicherlich der etwas ruhigere Teil des Großbezirks. Denn er bietet gerade einmal eine Plattenbausiedlung und zwar das Salvador-Allende-Viertel. Hier dominieren fünf- bis zehngeschossige Bauten aus den 1970er Jahren das Bild. In Oberschöneweide ist das Leben auch noch etwas städtischer. Als ehemaliger Industriestandort weist der Ortsteil eher einen Arbeitercharakter auf. Entlang der Spree liegen diverse Objekte brach, die Schritt für Schritt wieder zu wirtschaftlich bedeutenden Standorten entwickelt werden sollen. Einige Fachbereiche der HTW sind bereits dorthin umgezogen. Nördlich der Wilhelminenhofstraße grenzt ein Wohngebiet mit Mietwohnhäusern an, deren Anfänge bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet wurden. Nur vereinzelt sind sanierte oder neu gebaute Eigentumsobjekte zu finden. Auf Grund der Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten und der Nähe zum Volkspark Wuhlheide und der HTW hat der Standort deutlich an Attraktivität für junge Familien und Studenten gewonnen.

Wer aber den Reiz eines ruhigen  Vorstadtstandortes bevorzugt, findet in den Ortsteilen Schmöckwitz, Wendenschloß, Friedrichshagen oder Rahnsdorf bestimmt sein zu Hause. Schmöckwitz und Grünau sind reine Wohnsiedlungen mit Gartenstadtcharakter. 

zwischen Dahme und Spree

Grünau ist vor allem für die im Jahre 1880 eröffnete Regattastrecke auf dem Langen See (Dahme) bekannt. Die Siedlung wird durch Villen und Landhäuser geprägt, aber auch Mehrfamilienhäuser mischen sich in das sonst so ländliche Idyll. Friedrichshagen und Müggelheim sind die begehrten Wohnorte am Müggelsee. Rege Bautätigkeit für Einfamilienhäuser und kleinere Siedlungsprojekte haben in den letzten 20 Jahren die Wirkung beider Ortsteile stark verjüngt, wobei vereinzelt noch ältere Bauernhäuser oder sogar Gründerzeit- und Jugendstilhäuser zu finden sind. Westlich an das Wohngebiet Müggelheims schließen sich die Müggelberge an, die immer für einen Ausflug bei schönem Wetter zu empfehlen sind.

In Rahnsdorf sind noch heute einige Villen aus der Kaiserzeit erhalten geblieben, jedoch sind auch hier überwiegend Einfamilienhäuser neueren Datums vorherrschend. Am schönsten lebt es sich jedoch in „Neu-Venedig“, einer kleinen Wochenendhaus- und Gartenkolonie an der Müggelspree. Wer das Glück hatte, hier ein Grundstück zu ergattern, wird es auch nicht so schnell wieder hergeben. Die Villenkolonie Wendenschloß aus der Kaiserzeit gilt wegen ihrer idyllischen Lage und der Nähe zur Altstadt als eine der beliebtesten Wohngegenden Köpenicks. Genauso ist derzeit Spindlersfeld gefragt. Hier entsteht die „Wasserstadt“ Spindlersfeld.

Der Ortsteil hat seinen Namen den Unternehmern Carl und Wilhelm Spindler zu verdanken, die in den 1870er Jahren ihre Wäschereibetriebe an das Ufer der Spree verlegten. In ehemaligen Druckerei- und Lagerhäusern in stilvoller Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts entstehen hier derzeit die SpreeLofts. Galeriewohnungen mit fünf Meter hohen Decken im Wohnbereich sprechen sicher nicht nur diejenigen an, die das Besondere lieben. Eine Alternative bieten die neu aufgebauten Penthouses mit großzügigen Terrassen, Kaminanschluss und Aufzug. In gelungener Ergänzung und architektonischer Anlehnung an die historischen Bauten setzen die SpindlerTowers als Neubauten Landmarken direkt am Ufer der Spree.

Köpenick mit Kiez und Altstadt

Wer allerdings nicht ganz so abgeschieden wohnen und dem Großstadttrubel trotzdem aus dem Weg gehen möchte, sollte in der Altstadt Köpenick gut aufgehoben sein. Wobei das alte Köpenick, das alte Fischerdorf an der Dahme – der Kiez –mit seiner ein- bis zweigeschossigen Bebauung aus dem 18. und 19. Jahrhundert so ganz anders anmutet, als die heutige Altstadt mit Rathaus und hochherrschaftlichen Häusern. Die Altstadt wurde in den letzten Jahren fast komplett saniert und sehr ansprechend hergerichtet. Das Angebot an Gastronomie, Einzelhandel und anderen Dienstleistern ist deutlich gestiegen, so dass für die Versorgung mit den Dingen des täglichen Bedarfs ausreichend gesorgt ist. Kleine Cafés und Bäckereien laden zu einem gemütlichen Nachmittag mit Kaffee in der Sonne ein. 

Der Bezirk Treptow reicht mit seinen Ortsteilen fast von Schönefeld bis in die Berliner City. Entsprechend abwechslungsreich gestaltet sich dann auch das Stadtbild. In Treptow ist sogar ein UNESCO-Weltkulturerbe zu bestaunen und zwar die so genannte „Tuschkastensiedlung“ oder auch „Gartenstadt Falkenberg“ genannt. Sie befindet sich im Ortsteil Bohnsdorf und wurde in den Jahren 1913 bis 1916 nach Plänen von Bruno Taut errichtet. Bestehend aus bunten Einzel- und Reihenhäusern ist die Tuschkastensiedlung eine Besichtigung wert. Darüber hinaus weist Bohnsdorf eine der noch wenigen Dorfanlagen mit Anger Berlins auf. Generell besteht der Ortsteil überwiegend aus Einfamilienhaussied­lungen.  Altglienicke hingegen bietet vom ruhigen Vorstadtwohnen bis hin zum Plattenwohnungsbau alles. Der Stadtteil besteht aus mehreren Einzel- und Reihenhaussiedlungen. Zu dem Neubaugebiet aus den 1980er Jahren wiederum gehören jedoch Plattenbauten. Altglienicke ist seit den 1990er Jahren um ca. 2.500 Wohnungen um den S-Bahnhof Grünbergallee gewachsen, so dass ein vielfältiges Wohnungsangebot herrscht. 

Vom DDR-Fernsehen zum Wissenschaftszentrum in Adlershof

Das Entwicklungsgebiet Adlershof/Johannisthal wächst zu einem sehr bedeutenden Wissenschafts- und Forschungsgebiet heran. Die Humboldtuniversität ist bereits mit 6 Instituten nach Adlershof gezogen, sowie auch über 800 andere Unternehmen und es folgen weitere. Überregionale Bedeutung hat sich Adlershof natürlich auch als Produktionsstandort der Fernseh- und Filmproduktion erworben.  Insgesamt sollen mittelfristig auf dem Gelände des alten Flugplatzes Johannisthal ca. 20.000 Arbeitsplätze entstehen. Am Rand des Landschaftsparks wurde von daher natürlich auch Wohnraum geschaffen, als Eigentums- und Mietwohnungen sowie Einfamilien- und Reihenhäuser. Auf Grund der guten Annahme der Siedlung wird derzeit ein zweites Wohngebiet vorbereitet. Niederschöneweide war genauso wie Oberschöneweide einer der Industriestandorte zu früheren Zeiten. Heute wurden Teile Niederschöneweides zum Sanierungsgebiet erklärt, so dass die Wohnsituation und Infrastruktur wieder gestärkt wird. Auch Baumschulenweg ist ein ruhiger und grüner Wohnort, in dem es sich gut leben lässt. Viele Mieter haben hier ihr Stückchen Grün in einer der zahlreichen Kleingartenkolonien gepachtet.

Alt-Treptow bietet von allem etwas. Die kaiserliche Bebauung, ergänzt durch einige 1920er-Jahre-Häuser und die Neubauten direkt an der Spree. Die Treptowers mit 125m Höhe und 31 Stockwerken sind die höchsten Bürohäuser Berlins. Doch gleich um die Ecke wohnt man ruhig und grün, denn der Treptower Park bietet eine herrliche Umgebung, um im Sommer einfach nur die Seele am Spreeufer baumeln zu lassen oder sich sportlich zu betätigen. Wer mag oder muss, ist innerhalb weniger Minuten mitten im Trubel der Großstadt. Rund um die „Arena Treptow“ in Richtung Kreuzberg findet man zahlreiche Clubs, Bars und Cafés. 

Die schönen Lagen Köpenicks machen sich natürlich auch in den Unterhaltskosten bemerkbar. Die Mietpreise in Köpenick liegen im Mittel zwischen 6,60 und 8,00€/m². In den letzten Jahren war eine positive Entwicklung der Preise von 2,5 bis 10 % zu vernehmen. Die Kaufpreise für Wohnungen liegen im Durchschnitt bei ca. 1.500 bis 2.000€/m², genauso wie für Häuser. Im Teilbezirk Treptow liegen die Mietpreise für Wohnungen im Mittel überwiegend zwischen 5,60 und 6,50€ je Quadratmeter. Der Kaufpreis für Wohnungen ist etwas weiter gestreut als in Köpenick und liegt zwischen 1.000 und 2.000€/m². 

Fluch und Segen: A100 und BER

Wie sich der Bezirk in Zukunft entwickelt, ist wohl eine Frage, die sich viele Bewohner Berlins und Brandenburgs stellen. In den letzten Jahren gab es stets Diskussionen um verschiedene Punkte. In Treptow gibt es vorrangig seit einigen Jahren hitzige Auseinandersetzungen, wenn es um den Ausbau der A100 geht. Auch wenn Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer das Teilstück von der Grenzallee bis zum Treptower Park in seine Investitionsplanung für 2011-2015 aufgenommen hat, steht noch immer nicht fest, ob wirklich wie geplant noch dieses Jahr mit dem Bau begonnen werden kann. Denn der Naturschutzbund hat im Februar einen Eilbeschluss durchgesetzt, so dass derzeit die Vorbereitungsmaßnahmen zum A100-Ausbau untersagt sind.

Das etwas größere Übel dürfte trotzdem der Ausbau des Flughafen Schönefelds sein. Die Lärmbelastung der Bewohner des südlichen Treptow-Köpenicks wird immens steigen. Diese Faktoren wirken sich in der Konsequenz natürlich auch auf den Immobilienmarkt aus. Abwarten heißt es momentan auf Käufer- und Verkäuferseite. Die Unsicherheit darüber wie sich die Gesamtsituation nun entwickelt, hält an. Im Vergleich sollte man allerdings erwähnen, dass es beim Bau des Großflughafens Frankfurt am Main auch diverse Proteste im Vorfeld gab. Sieht man sich die Entwicklung dort an, kommt man jedoch ins Staunen. Denn es ist natürlich, dass man nahe an seinem Arbeitsplatz wohnen möchte. An einem Flughafen dieser Größe arbeiten nicht nur 100 Personen, sondern Tausende. Sie sind diejenigen, die auch trotz Fluglärm direkt in der Einflugschneise Eigentum erwerben und die Nachfrage nähren. In Frankfurt gibt es solch eine Region, heute ist ein Eigenheim in dieser Lage nicht mehr zu bezahlen, da sich die Preise fast verdreifacht haben. Welche Entwicklung Berlin und Brandenburg nehmen, bleibt abzuwarten.

Treptow-Köpenick im Vergleich

Übersicht

Treptow-Köpenick

Berlin

Abweichung

Fläche*

168,4 km²

891,8 km²

18,9%

Einwohner*

238.433

3.371.212

7,1%

Einwohnerdichte

1.416/km²

3.780/km²

-62,5%

Einkommen²

975 €/mtl.

885 €/mtl.

+10,2%

Arbeitslosenquote

13,0%

13,6%

-4,4%

Migrantenanteil³

7,2%

25,5%

-71,8%

Ausländeranteil

3,2%

13,5%

-76,3%

Kriminalität⁴

9.399

14.494

-35,2%

Quelle: Statistisches Landesamt Berlin, Daten per 30.06.2010

  • * statt Abweichung Anteil; 
  • ² verfügbares Pro-Kopf-Einkommen
  • ³ dt. Einwohner mit Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche
  • ⁴ Straftaten je 100.000 Einwohner (2009)

Interessantes und Wissenswertes

  • Die BVG-Fähre über die Müggelspree ist die einzige Fährlinie in Deutschland, die mit einem Ruderboot betrieben wird. Und das seit 100 Jahren.
  • Die Straßenbahnlinie 68 gilt als eine der schönsten Deutschlands, da sie in Grünau zwischen Wald und Wasser verläuft. Man nennt sie auch „Uferbahn“.
  • Der Volkspark Wuhlheide ist ein Erlebnis für Groß und Klein. Im Sommer kann man Open Air-Veranstaltungen in der Kindl Bühne lauschen. Für die Kleinen bietet das FEZ verschiedenste Freizeitangebote.
  • Bruno Tauts „Tuschkastensiedlung“ in Bohnsdorf gehört seit Sommer 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
  • Im Treptower Park kann man einen Rundflug mit dem berühmten roten Wasserflugzeug über Berlin machen. Ein 60-minütiger „Cham-pagnerflug“ kostet rund 200€ pro Person.